Ein Star. Ein Kino. Ein Fremder im Foyer. Und ein junger Filmvorführer, der die Liebe seines Lebens trifft ...

Eine zarte Liebesgeschichte mit Krimi-Elementen und vielen Filmzitaten – aus einer Zeit, als das Kino noch nicht digital war.

 

Berlin, 1988: Die quirlige, naturverbundene Silke versucht, den etwas phlegmatischen Filmvorführer Mario aus seiner heilen Welt der Kinoträume herauszureißen.

 

Als die beiden sich begegnen, treffen zwei Welten aufeinander: Mario ist in Sachen Liebe noch ziemlich unbedarft, Silke dagegen trauert bereits einer verflossenen Romanze nach; er hockt die meiste Zeit über in seinem dunklen Vorführraum, sie verbringt so viel Zeit wie möglich draußen in der freien Natur; er ist schüchtern und verklemmt, sie dagegen unbefangen und anschmiegsam.

 

Die Hauptschauplätze des Romans sind die alte Berliner „Kinomeile“ am Kürfürstendamm, der Teufelssee im Grunewald und die weitläufigen Strände der Nordseeinsel Amrum.

 

Das Jahr der zwei Welten
Roman, Paperback, 13,5 x 21,5 cm, 200 S., ISBN 978-3-839-11128-4, 14,80 EUR

 
Auszüge aus „Das Jahr der zwei Welten"
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Ein Liebesfilm zum Lesen

In der Galerie ist es still geworden. Ich merke, wie die Zuhörer an meinen Lippen hängen, wie sie mitfiebern, wenn Mario, der Held meines Romans, auf dem nächtlichen Kurfürstendamm von einem Fremden bedrängt wird, und wie sie mitfühlen, wenn der schüchterne junge Filmvorführer seine Freundin zu überreden versucht, nach der Spätvorstellung bei ihm zu übernachten.

Während meiner Schulzeit hatte ich mich im Fach Deutsch mühsam von Versetzung zu Versetzung gehangelt; folglich empfand ich es schon als großen Erfolg, dass die Berliner Morgenpost in den Neunzigerjahren – nachdem ich in einem Fernkurs das Handwerk des Schreibens von Sachartikeln gelernt hatte – einige meiner populärwissenschaftlichen Arbeiten veröffentlichte. Damals hatte ich vermutlich an einem einzigen Tag mehr Leser als jetzt in einem ganzen Jahr, doch sie blieben anonym. Heute dagegen suche ich den Kontakt zu den Lesern, freue mich über ihr positives Echo, wenn ich nach einer guten Stunde das Buch zuschlage und mit ihnen ins Gespräch komme. Das Vorlesen ist für mich inzwischen genauso wichtig geworden wie das Schreiben selbst.

 

Das Jahr der zwei Welten beginnt im Berlin des Jahres 1988: Es ist die Zeit der Filmfestspiele. Mario, 22, arbeitet in einem Uraufführungstheater am Kurfürstendamm. Nachdem er sich vor dem Hotel Kempinski von dem Schauspieler Alec Guinness dessen Autobiografie hat signieren lassen, übernimmt er im Kino die Einlasskontrolle. Da der aktuelle Film ab sechzehn Jahren freigegeben ist, lässt er sich den Ausweis eines Mädchens zeigen, das er für höchstens vierzehn hält. Silke, die in Wahrheit neunzehnjährige Besucherin, reagiert darauf gelassen, und obwohl ihm sein Irrtum ziemlich peinlich ist, spricht Mario die junge Frau nach der Vorstellung noch einmal an.

 

Silkes nächster Kinobesuch wird für Mario zu einer Art Offenbarung: Die quirlige, naturverbundene Auszubildende fragt ihn, ob er denn auch ein Naturfreund sei, ob er gern bei Wind und Wetter im Wald spazieren gehe, Tiere beobachte und im Sommer auch mal nackt in einem See bade. Mario sagt zu allem erst mal Ja, und im Laufe der Zeit gelingt es Silke, den etwas phlegmatischen jungen Mann aus seiner heilen Welt der Kinoträume herauszureißen.

 

Ausgehend von zwei wahren Begebenheiten – der „Autogrammschlacht“ vor dem Hotel und meiner eigenen peinlichen Fehleinschätzung des Alters einer jungen Kinobesucherin – führt die Geschichte hinter die Kulissen eines Filmtheaters; die Erinnerungen an meine einstige Tätigkeit im Kino habe ich dabei auf frei erfundene Charaktere übertragen. Kinofreunde dürften sich nicht nur über die vielen technischen Details freuen – sie werden sich auch an den einen oder anderen Film erinnert fühlen, denn die zarte Liebesgeschichte enthält auch viele Filmzitate: Wenn sich zum Beispiel Mario der begeisterten Zeichnerin Silke als Aktmodell zur Verfügung stellt – wer denkt da nicht an die Szene aus James Camerons Titanic?

 

Nachdem meine Frau die erste Rohfassung des Manuskripts gelesen hatte, sagte sie: „Du hättest vielleicht besser ein Drehbuch schreiben sollen. Die Dialoge klingen ja wie aus einem Liebesfilm.“ Warum eigentlich nicht, dachte ich: Warum soll ein Roman, der von einem kinoversessenen Filmvorführer handelt, nicht erzählt sein wie ein verträumter Liebesfilm?

Thorsten Falke